Back to earth – Camping fürs Leben

Camping – mein Albtraum aus Kindertagen. Egal ob die Atmosphäre im Südseecamp irgendwo in Niedersachen, Riesenzelt im Ferienlager mit dem Kindergarten oder Zelten hinter dem Haus eines Klassenkameraden zum Abschluss der Unterstufe des Gymnasiums. Ja, ich mochte immer schon Natur, aber am liebsten mit ganz wenig Menschen drum herum.

Szenenwechsel: Schweden, Traumsommer 2014, etwas nördlich von Strömstad auf dem Lökholmen Campingplatz. Inmitten von Felsen mit einem schönen Strand in einer traumhaften Scherenlandschaft. Unser Zelt steht etwas oberhalb der Hauptfläche ganz alleine auf einem kleinen erdigen Stück auf einem Felsen. Es ist 21.30 Uhr und taghell. Langsam kommen alle zur Ruhe. Meine Große liegt im 2-Frau-Zelt, das wir gemeinsam aufgebaut haben, und schläft. Ich sitze in einem Campingstuhl direkt daneben und kann ihren ruhigen Atem hören. Gedanken tanken – Raum für mich – Zeit zum Reflektieren. Es tut gut, hier zu sein. Es tut gut wahrzunehmen, dass ich immer wieder einen guten Riecher dafür habe, schöne Orte zu finden. Und trotzdem habe ich immer wieder Angst, dass ich mal keinen schönen Ort erwische. Doch plötzlich fange ich an zu Lächeln. Diese Angst darf jetzt gehen – für immer. Kein Grund zur Sorge, Kathrin: Du suchst im Vorfeld sowieso so lange weiter nach den richtigen Orten, bis Dein Bauch ja sagt. Vorher fährst Du gar nicht los. Deine Ansprüche sind eben hoch. Ja, die Hochsensibilität ist hier wohl auch die treibende Kraft. Ich hatte schon immer ein Faible dafür schöne Orte zu finden: Eine Überlebensstrategie. Eine Strategie, die mir Mut macht. Denn was heißt das denn im übertragenden Sinne? Ich habe in mir verlässliche Fühler, die mir sagen, wie ich Situationen für mich passend machen kann. Warum soll das nur für Urlaubsorte gelten? Im Grunde mache ich das schon mein ganzes Leben lang so … in allen Lebenslagen. Und werde dabei immer besser! Selbst dann, wenn ich mich vorher nicht lange informiert habe. Die Stimme in meinem Bauch wird immer deutlicher und ich lerne mehr und mehr ihr zu vertrauen.

Ich schaue mich um, horche in die helle Nacht, genieße die fast mediterrane Luft. Mit der Entscheidung für das Camping habe ich mir selbst eine Situation geschaffen, an und in der ich wachsen kann. Und meine Tochter hilft mir dabei. Wenn ich ehrlich bin, war sie sogar die treibende Kraft, denn ich habe immer wieder mit einer Campinghütte geliebäugelt. Doch Sophie war beharrlich: „Nein Mama, keine Hütte, ich will mit dir zelten!“ Kinder – der ewige Entwicklungsmotor für Eltern. Ich bin ihr dankbar für ihre Beharrlichkeit, ihre unbändige Neugier und ihre Begeisterungsfähigkeit. Nachdem ich den ganzen Tag Auto gefahren bin, falle ich müde auf die Isomatte und schlafe schnell ein. Am nächsten Morgen wecken mich ein paar neugierige Vögel direkt neben mir. Oh Schreck. Durchatmen. Entwarnung: Stimmt, da ist ja noch das Zelt dazwischen … Ich habe gut geschlafen und fühle mich geerdet. Das war das erste Mal, dass ich mich bewusst ohne Fremdbestimmung dafür entschieden habe, auf der Erde zu schlafen. Draußen. In der Natur. Unter freiem Himmel. Und siehe da, es ist mir gar nichts passiert … Eine schöne Erfahrung … ein Turnaround. Und wieder ein kleiner Schritt ins Vertrauen.

Klar haben mich diese zwei Zelttage mit meiner hohen Sensibilität auch stark herausgefordert. Die Hitze, die Gemeinschaftsduschen, kaum Schatten, die vielen Menschen mit ihren ganz eigenen Geschichten um mich herum, Uno spielen in unbequemer Haltung auf den umgeklappten Rücksitzen im Auto und Parkuhren in Strömstad, die absolut nicht funktionieren wollten. Die Krönung bei der Hitze waren kalte Duschen, die nur kalt waren, weil ich erst am zweiten Tag kapiert habe, dass man dafür eine Duschkarte kaufen muss. Trotz aller Herausforderungen stellt sich eine Erkenntnis ein: Ich bin noch nie so schnell im Urlaub „angekommen“, wie an diesem heißen Tag in Schweden mit meiner fünfjährigen Tochter, die mich zum Campen überredet hat und in der Natur so ruhig und ausgeglichen war, dass ich gestaunt habe. Ich bin jedenfalls schon gespannt auf den nächsten Sommer. Denn wir haben uns ein Vier-Mann/Frau-Zelt gekauft und wollen fortsetzen, was uns letztes Jahr nur kurz gegönnt war: Natur pur und back to earth – diesmal mit der ganzen Familie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.